Auf dem Weg zum klimaneutralen Kurort

Klimaschutz in Thüringer Heilbädern und Kurorten: Gemeinsam für eine nachhaltige Zukunft

Informationen, Maßnahmen und Inspiration für Thüringer Kurorte, ihre Gäste sowie Gastgeber und Gastgeberinnen
Klimaschutz ist längst mehr als ein Trend – er ist eine Notwendigkeit und eine rechtliche Vorgabe. Besonders Heilbäder und Kurorte, die ihren Ruf auf der unverfälschten Natur, sauberer Luft und gesunden Ressourcen begründen, stehen vor der Aufgabe, den eigenen ökologischen Fußabdruck zu minimieren. Doch Klimaschutz bietet auch Chancen: Für Gäste, Gastgeber und Gastgeberinnen sowie ganze Regionen können neue Qualitätsstandards, effiziente Technologien und das Miteinander einen nachhaltigen Mehrwert schaffen.

INHALT:

Warum Klimaschutz gerade für Kurorte wichtig ist

Heilbäder und Kurorte sind Orte der Erholung, Regeneration und Gesundheit. Ihre Attraktivität steht und fällt mit der Qualität von Natur und Umwelt: saubere Luft, intakte Böden, klares Wasser und erholsame Landschaften. Der Klimawandel bedroht diese Grundlagen: Hitzewellen, Trockenzeiten und Extremwetter beeinträchtigen die Gesundheit und die natürlichen Heilmittel, auf die sich Heilbäder stützen. Ein verantwortungsbewusster Umgang mit Ressourcen, Energie und Emissionen sichert die Zukunft der Kurorte – und bringt Vorteile für alle Beteiligten.
 
  • Gesundheitliche Vorteile: Reine Luft und unbelastete Natur sind essenziell für die Regeneration.
  • Image: Klimaschutz und Nachhaltigkeit stärken das positive Image und erschließen neue Zielgruppen, die Wert auf Klimaschutz legen.
  • Langfristige Wettbewerbsfähigkeit: Planbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit durch Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern und deren Kostensteigerung
  • Vorbildfunktion: Vorreiter im Klimaschutz inspirieren andere Regionen und steigern die Attraktivität des Kurortes.

Die Herausforderungen: Wie entstehen Emissionen im Kurort?

Fußabdruck eines Thüringer Kurortes mit jährlichen 9.922 t CO₂-Emissionen
Klimarelevante Emissionen entstehen im Kur- und Gesundheitstourismus auf vielfältige Weise. Die wichtigsten Bereiche sind:
 
  • An- und Abreise: Viele Gäste reisen mit dem Auto an – das erzeugt CO₂-Emissionen.
  • Unterkunft und Verpflegung: Energieverbrauch, Heizung, Warmwasser, Gastronomie und Lebensmittel hinterlassen einen ökologischen Fußabdruck.
  • Kur- und Heilmittel: Herstellung, Transport und Nutzung der Heilmittel benötigen ebenfalls Ressourcen.
  • Freizeit und Mobilität vor Ort: Ausflüge, Aktivitäten und Fortbewegung vor Ort beeinflussen den Gesamt-Fußabdruck.

CO₂-Bilanz und konkrete Beispiele

CO₂-Emission pro Gast in kg bei einem Aufenthalt von 7 Tagen am Beispiel Bad Klosterlausnitz
Eine Studie von Modell-Kurorten in Thüringen hat ergeben, dass die Unterkunft und die Anreise durch Tagesgäste und Übernachtungsgäste zu den größten Emissionsquellen zählen. Auch die Nutzung von Kur- und Heilmitteln sowie die Verpflegung tragen signifikant zur CO₂-Belastung bei. Die Entwicklung einer genauen CO₂-Bilanz pro Gast macht sichtbar, wo die größten Einsparpotenziale liegen. Um den Vergleich mit anderen Urlaubsreisen zu ermöglichen, werden die CO₂ Emissionen auf einen 7-tägigen Aufenthalt bezogen. Dann ist der Gesundheitsurlaub im Modellort Bad Klosterlausnitz mit 380 kg CO₂-Emission pro Gast auch mit dem Urlaub auf der Insel Mallorca mit 11.200[1] kg CO₂-Emission pro Gast vergleichbar.

[1] Laut Agència d'Estratègia Turística de les Illes Balears

Gemeinsam handeln: Klimaschutzmaßnahmen für Heilbäder und Kurorte

Szenario Entwicklung zum Klimaneutralen Kurort
Auch wenn in den Thüringer Heilbäder und Kurorte im Vergleich mit Fernreisen geringere CO₂-Emissionen entstehen, von dem Erreichen der Klimazielen sind alle Orte weit entfernt. 

 Auf Basis der Berechnungen für die Modell-Kurorte ist der Ausstoß klimarelevanter Emissionen im Kur- und Gesundheitstourismus um 20 % gestiegen. Daraus ergibt sich, dass auch eine durch umfangreiche Maßnahmen ermöglichte 60%ige Reduktion der Emissionen bis 2030 die Klimaziele bei weitem nicht erreicht.
Um die Klimaziele im Jahr 2040 dann wieder einhalten zu können, ist konsequentes Handeln nötig.
Wie lässt sich der weite Weg zum klimaneutralen Kurort konkret gestalten? Der Schlüssel liegt in einer systematischen Analyse, konkreten Zielen und der konsequenten Umsetzung von Maßnahmen – gemeinsam mit Gästen, Personal, Unternehmen und der lokalen Gemeinschaft. Auch sind die Anforderungen in den Kurorten in Thüringen aufgrund der Kur- und Heilmittel, der Thermen und der Mobilitätsanbindungen individuell unterschiedlich.

1. Nachhaltige Mobilität fördern

  • ÖPNV stärken: Angebote für Bus und Bahn ausbauen, Shuttleservices einführen und Gäste zur klimafreundlichen Anreise motivieren. Kliniken in Bad Klosterlausnitz konnten durch einen Klinik Shuttle-Service die Zahl der Bahnanreisenden deutlich steigern.
  • Fahrradfreundliche Infrastruktur: Leihfahrräder, sichere Abstellplätze und Radwege können Autofahrten ersetzen. Mit der Einbindung eines Fahrradverleih Anbieters stärkt die Touristinformation in Bad Langensalza die klimafreundliche Mobilität im Ort.
  • E-Mobilität unterstützen: Ladesäulen für Elektrofahrzeuge bereitstellen und E-Bikes verleihen. Die Saalfelder Feengrotten und Tourismus GmbH bietet Ladesäulen an, damit können Gäste des Heilstollens während der Anwendung ihr E-Auto laden.

2. Energieeffizienz und erneuerbare Energien

  • Gebäudetechnik optimieren: Modernisierung von Heizungen, Dämmungen und Lüftungen spart Energie. In Bad Klosterlausnitz konnten Kliniken dadurch ihren CO₂-Ausstoß senken und die Wirtschaftlichkeit verbessern
  • Die Thermalbäder verbrauchen heute vielfach fossile Energien, mit dem Einsatz erneuerbarer Energien und der energetischen Sanierung sind hohe Einsparpotentiale und geringere Betriebskosten möglich. Die Umgestaltung der Thermen kann zudem Marketingimpulse setzen und Zielgruppen besser ansprechen: Als „klimapositives Gesundheitsbad“ oder „grüne Therme“ bieten sich neue Positionierungsmöglichkeiten für Kurorte an. Die Therme in Bad Langensalza hat durch die energetische Sanierung und den Einsatz regenerativer Energien ihren CO₂-Ausstoß minimiert. Auditierung und ISO-Zertifizierung sichern einen klimafreundlichen Betrieb. Auch die Therme in Bad Sulza hat durch den Einsatz von Geothermie und die Nachhaltigkeitszertifizierung einen wichtigen Beitrag auf dem Weg zum klimaneutralen Kurort geleistet.
  • Photovoltaik und Solarthermie: Erneuerbare Anlagen auf Hoteldächern oder Kurhäusern erzeugen sauberen Strom und Wärme. In Bad Klosterlausnitz erbringt das Kurmittelhaus mit einer Wärmepumpe und einer PV-Anlage einen Beitrag zur Klimaneutralität.
  • Strom aus Ökoquellen: Bezug von zertifiziertem Ökostrom reduziert den CO₂-Ausstoß. So können einfach und sehr schnell alle Akteure einen Beitrag zur CO₂-Reduktion ohne technische Umbauten leisten.

3. Nachhaltige Kur- und Heilmittel

  • Regionale Produkte bevorzugen: Mit den natürlichen Heilmitteln ist Regionalität gegeben. Es sollte darauf geachtet werden, dass Rohstoffe und Nahrungsmittel in den Kurorten möglichst vor Ort bezogen werden. In Saalfeld werden regionale Produkte in der Vermarktungsinitiative „Das grüne Herz“ von Erzeugern, Direktvermarktern und Handwerkskünstlern auch den Gästen zugänglich gemacht.
  • Ressourcenschonende Anwendungen: Wasser- und Energieeinsparungen bei der Nutzung von Heilbädern oder Thermen. Hierzu sind in einigen Kliniken der Modellorte technische Änderungen vorgenommen worden, die den Weg zum klimaneutralen Kurort aufzeigen, wie Wärmerückgewinnung, Pumpenaustausch oder energie-sparende Beleuchtung.

4. Umweltfreundliche Verpflegung

  • Bio und regional: Lebensmittel aus ökologischem Anbau und kurze Lieferwege unterstützen Klima und lokale Wirtschaft. In Kliniken und Restaurants wurden die Speisekarten auf saisonale Angebote aus der Region umgestellt. Das Angebot von biologischen Lebensmitteln stärkt auch das Profil als Gesundheitsort.
  • Vegetarische und vegane Angebote: Insbesondere der Verzicht auf hohen Fleischkonsum reduziert Klimaschäden. Klimafreundliche Speisen sind Vegetarisch und Vegan. Der CO₂- Fußabdruck konnte in Kliniken der Modellorte durch die Umstellung auf vegetarische Verpflegung deutlich gesenkt werden und für die Gesundheitsvorsorge der Gäste ein wichtiger Impuls gesetzt werden.

5. Klimafreundliche Freizeit und Aktivitäten

  • Sanfte Tourismusangebote sind Bestandteil des Freizeitangebots aller Modellorte: Geführte Wanderungen, Naturerlebnisse und Gesundheitsprogramme ohne großen Energieaufwand aber auch Rad- und Wanderwege haben dazu geführt, dass Freizeit und Aktivität in den Modellorten eine für den Tourismus unterdurchschnittlichen CO₂- Fußabdruck hinterlassen.
  • Bewusst konsumieren: Gäste für Klimaschutz sensibilisieren, z.B. durch Infoveranstaltungen und Workshops. Die Aufenthalte in den Kurorten in Thüringen sind für die Gäste Zeiträume für Neuorientierung und Veränderung des Lebensstils. Beispiele und Impulse für eine klimaneutralen Lebensweise können positive und langandauernde Auswirkungen für den Gast mit sich bringen.

Best-Practice: Die Modellorte in Thüringen

Im Rahmen des Projektes wurden in den vier Modellorten eine Vielzahl unterschiedlicher Ansätze deutlich, die den Weg für einen klimaneutralen Kurort beschreiben.

  • Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs und klimafreundliche Freizeit und Aktivitäten mittels Freizeitbussen in Saalfeld, die Gäste an die schönsten Plätze des Thüringer Waldes bringen.
  • Durch den Betrieb des Hainichbus wird die Anbindung des Baumkronenpfads von Bad Langensalz und Eisenach ermöglicht.
  • Der Eintritt in Kur- und Gesundheitseinrichtungen wird bei Vorlage eines ÖPNV-Fahrscheins ermäßigt.
  • Effiziente und innovative Energieversorgung im Kurviertel durch die örtlichen Versorger mit eigenen PV-Feldern sorgt in Bad Langensalza für verlässliche Energiekosten.
  • Das der Friedericken-Therme angeschlossene Restaurant Heimatliebe macht seinem Namen alle Ehre und konzentriert sich auf regionale Küche und gesundheitsorientierte Snacks.
  • Transparente Kommunikation der eigenen Klimabilanz wird durch die Zertifizierung der Toskana Therme und des angeschlossen Hotels mit dem Nachhaltigkeitszertifikat „GREENSIGN“ gesichert.

Diese Maßnahmen zeigen: Klimaschutz ist machbar – und bringt konkrete Vorteile für Gäste, Gastgeber und Gastgeberinnen und die ganze Region!

Klimaschutz beginnt bei jedem Einzelnen

Nicht allein die Akteure im Tourismus der Kurorte, sondern auch die Gäste können einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Daher können alle Thüringer Kurorte auf dem Weg zum klimaneutralen Kurort die Gäste klar und positiv zum Mitmachen ansprechen.

  • Wählen Sie nachhaltige Anreisemöglichkeiten wie Bahn oder Mitfahrgelegenheiten.
  • Nehmen Sie regionale Angebote wahr und achten Sie auf umweltfreundliche Dienstleistungen.
  • Beteiligen Sie sich an nachhaltigen Programmen vor Ort.
  • Sparen Sie Wasser und Energie während Ihres Aufenthalts.
  • Unterstützen Sie lokale Initiativen für Naturschutz und Nachhaltigkeit.

Checklisten

Fazit und Ausblick

Klimaschutz im Kurort oder Heilbad ist eine gemeinsame Aufgabe – und eine große Chance. Wenn alle Akteur*innen an einem Strang ziehen, kann der Wandel zu mehr Nachhaltigkeit gelingen. Die Zukunft der Kurorte liegt darin, ein gesundes Umfeld für Erholung zu bewahren, Ressourcen zu schonen und einen verantwortungsvollen Tourismus zu gestalten. Nur so bleiben unsere Kurorte attraktive Wohlfühlorte für kommende Generationen.
Der Thüringer Heilbäderverband hat mit dem Projekt „Auf dem Weg zum klimaneutralen Kurort“ wichtige Grundlagen für den Weg zur Klimaneutralität entlang der Reisekette in den Thüringer Kurorten und Heilbädern geschaffen. Vier Modellorte (Bad Klosterlausnitz, Bad Langensalza, Bad Sulza, Saalfeld) haben im Jahr 2025 ortsspezifische Maßnahmenpläne erstellt. Der Thüringer Heilbäderverband stellt Schulungsmaterial für interessierte Thüringer Kurorte zur Verfügung. Die Modellorte stellen ihre Erfahrungen gern bereit.

Weitere Informationen erhalten Sie beim Thüringer Heilbäderverband e.V., info@natur-kur-thueringen.de, Tel. 036461-877802

Das Projekt wurde gefördert vom:
Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten